Buchvorstellung im Studiengang International Business Management (East Asia) verbindet wissenschaftliche Zusammenarbeit mit persönlichen Perspektiven auf China.
Am 10. Oktober 2026 wurde an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen die zweite, umfassend überarbeitete Auflage des Lehrbuchs zur Wirtschaftspolitik der Volksrepublik China vorgestellt. Die Veranstaltung bot nicht nur Einblicke in aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen Chinas, sondern zeigte auch, wie aus studentischen Projekten eine langjährige wissenschaftliche Zusammenarbeit entstehen kann.
Von Wikipedia zur Frage nach der Zukunft des Wissens
Professorin Dr. Barbara Darimont eröffnete die Veranstaltung mit einem Rückblick auf die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs. Am Anfang stand die Idee, gemeinsam mit Studierenden wissenschaftlich fundierte Beiträge zur ostasiatischen Wirtschaftspolitik für Wikipedia zu verfassen. Mehr als 100 Artikel entstanden im Rahmen dieses Projekts. Die Zusammenarbeit mit der Wikipedia-Community erwies sich jedoch als zunehmend schwierig und führte zu Auseinandersetzungen über die Veröffentlichung und Gestaltung der Beiträge.
Diese Erfahrungen nahm Darimont zum Anlass, grundsätzlich über die Entstehung und Verbreitung von Wissen nachzudenken. Gerade angesichts neuer KI-gestützter Angebote wie Elon Musks Grokipedia stellt sich die Frage, wer künftig darüber entscheidet, welche Informationen als gesichertes Wissen gelten. Während Wikipedia auf gemeinschaftlicher Wissensproduktion und gegenseitiger Kontrolle beruht, gewinnen mit künstlicher Intelligenz neue Formen der Erstellung und Vermittlung von Informationen an Bedeutung.
Aus dem ursprünglichen Wikipedia-Projekt entstand schließlich die Idee eines eigenständigen Lehrbuchs. Während der Corona-Pandemie wurde dieses Vorhaben umgesetzt und 2020 die erste Auflage veröffentlicht. Eine englischsprachige Ausgabe folgte 2023. Angesichts der rasanten wirtschaftlichen und politischen Veränderungen in China erschien im April 2026 eine umfassend überarbeitete zweite Auflage.
Chinas wirtschaftliche Herausforderungen im Gespräch

Im Mittelpunkt der Buchvorstellung standen vier Themenbereiche, die die gegenwärtige Entwicklung der chinesischen Wirtschaft maßgeblich prägen. Unter der Moderation von Max Schröder stellten ehemalige Studierende und Mitwirkende des Buchprojekts zentrale Fragestellungen ihrer Beiträge vor. Konstantin Krone beleuchtete die Bedeutung chinesischer Privatunternehmen und Start-ups für die wirtschaftliche Entwicklung und Innovationsfähigkeit des Landes. Alexandra Ens beschäftigte sich mit den Herausforderungen des chinesischen Arbeitsmarktes, insbesondere mit dem demografischen Wandel, der Beschäftigung junger Menschen und dem technologischen Strukturwandel. Marianne Friedrich widmete sich der dynamischen Entwicklung des chinesischen E-Commerce sowie der internationalen Expansion digitaler Geschäftsmodelle. Lucas und Zuzana Bréhéret behandelten schließlich die chinesische Umwelt- und Energiepolitik und das Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, technologischer Innovation und ökologischen Herausforderungen.
Die Gespräche machten deutlich, wie vielfältig die wirtschaftspolitischen Herausforderungen Chinas sind und wie eng wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklungen miteinander zusammenhängen.
China aus unterschiedlichen Perspektiven – ein Alumni-Panel
Den inhaltlichen Abschluss bildete das Alumni-Panel „China im Wandel“. Dabei standen nicht mehr einzelne Fachthemen des Lehrbuchs im Vordergrund, sondern die persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und Einschätzungen der ehemaligen Studierenden.

Die Teilnehmenden wurden ausführlich zu ihren Erfahrungen mit China und zu ihren Sichtweisen auf die Entwicklung des Landes befragt. Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich und zugleich differenziert die individuellen Perspektiven ausfallen können. Deutlich wurde insbesondere, dass sich nicht nur China selbst in den vergangenen Jahren erheblich verändert hat, sondern auch die Wahrnehmung Chinas in westlichen Ländern.
Die zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Spannungen zwischen China und dem Westen sowie eine kritischere öffentliche Diskussion prägen inzwischen das Bild des Landes. Die Beiträge des Panels machten jedoch deutlich, dass sich die komplexe chinesische Wirklichkeit nicht auf einfache Bewertungen reduzieren lässt. Persönliche Erfahrungen, wissenschaftliche Beschäftigung und unterschiedliche berufliche Perspektiven ermöglichen eine differenziertere Betrachtung, die sowohl Entwicklungen und Chancen als auch Probleme und Widersprüche berücksichtigt.
Gerade dieser Austausch zeigte, wie wichtig fundierte Landeskenntnisse, eigene Erfahrungen und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel für das Verständnis Chinas sind.
Ein Buchprojekt, das Studierende und Alumni verbindet
Die Buchvorstellung verdeutlichte zugleich einen besonderen Aspekt des Studiengangs International Business Management (East Asia): die enge Verbindung von wissenschaftlicher Lehre, eigenständiger studentischer Arbeit und langfristigem Kontakt zu den Absolventinnen und Absolventen. Viele Beiträge des Lehrbuchs sind aus der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit mit Studierenden hervorgegangen. Die Weiterentwicklung des Werkes zeigt, dass aus solchen Projekten eine Zusammenarbeit entstehen kann, die weit über den Studienabschluss hinaus Bestand hat.

Die Veranstaltung war damit nicht nur die Vorstellung einer Neuauflage, sondern auch ein Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Zusammenarbeit und persönliche Erfahrungen zur vertieften Auseinandersetzung mit China beitragen können.
Die zweite, aktualisierte Auflage des Lehrbuchs ist über die Hochschulbibliothek digital zugänglich: Wirtschaftspolitik der Volksrepublik China (2026)