„Es gibt da ein chinesisches Sprichwort …“ – Wer kennt sie nicht, diese Einleitung oder Überleitung bei einem Vortrag oder Artikel. Nur komisch, dass Chinesen diese „chinesischen Sprichwörter“ oft nicht kennen.
- Lassen Sie mich also mit einem chinesischen Sprichwort beginnen: …
- Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: …
- Mit einem chinesischen Sprichwort soll belegt werden, dass …
- … mag sich mit einem chinesischen Sprichwort trösten: …
- … kann man mit einem chinesischen Sprichwort auf dem Punkt bringen: …
- Oder, um es mit einem chinesischen Sprichwort zu sagen: …
- Lassen Sie mich deshalb mit einem alten chinesischen Sprichwort enden: …
(Margrith A. Lin-Huber: Chinesen verstehen lernen.)
Wenn in Deutschland jemand durchgehend in Allgemeinplätzen daherpalavert, möchte man ihm den Mund verbieten, aber in China zeugt es von gutem Stil, Spruchweisheiten zu zitieren. Chinesische Sprichwörter spielen meist mit Doppeldeutigkeiten. Klartext wird jedenfalls nicht gesprochen.
„Selbst Affen fallen mal vom Baum“ scheint eines der beliebtesten Sprichwörter der Japaner zu sein und wird immer wieder gerne verwendet, wie das folgende Zitat zeigt:
| Jun Hashimoto, David Galef: Even Monkeys Fall from Trees. The Wit and Wisdom of Japanese Proverbs Tuttle, 2000. ISBN: 978-0-804832267 | 猿も木から落ちる。 Saru mo ki kara ochiru. Selbst ein Affe fällt mal vom Baum. (Jeder macht mal Fehler. Nobody is perfect.) |
Es gibt – grob gefasst – drei Arten japanischer Sprichwörter (諺 kotowaza):
- überlieferte Aussprüche (言い習わし iinarawashi)
- idiomatische Redewendungen (慣用句 kan’yōku)
- aus vier Kanji bestehende Komposita (四字熟語 yojijukugo)