Frühlingsfest 2021 unter Corona-Bedingungen

Symbolfoto: Frühlingsfest Jahr des Ochsen2021

„Etliche Millionen Chinesen werden das wichtigste Fest des Jahres diesmal ohne ihre Verwandten verbringen müssen. Obwohl die Zahl der Corona-Infizierten in China nach wie vor gering ist, hat die nationale Gesundheitsbehörde strenge Auflagen für Heimreisen zum chinesischen Neujahrsfest am 12. Februar erlassen. Wer in ländliche Gebiete fährt, darf das Haus seiner Familie zwei Wochen lang nicht verlassen, obwohl die meisten Arbeiter höchstens zehn Tage Urlaub haben. Hinzu kommen drei kostenpflichtige Corona-Tests. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, könnte auf weitere Hindernisse stoßen. Zahlreiche Dörfer haben angekündigt, Heimkehrer an der Dorfgrenze einfach abzuweisen. Für viele Kinder sogenannter Wanderarbeiter heißt das: Sie werden ihre Eltern frühestens im Sommer wiedersehen. Oder erst nächstes Jahr.“

(Friederike Böge in der FAZ vom 27.01.2021: China will Reisen vermeiden)

Das chinesische Neujahrsfest ist die größte Völkerwanderung auf der Erde. Wer kennt nicht die Bilder von chinesischen Bahnhöfen, die mit Menschen regelrecht überflutet scheinen?  Alle Verkehrsträger der Volksrepublik vollbringen in den Tagen um das Frühlingsfest gewöhnlich Höchstleistungen um diesen Ansturm zu bewältigen. Doch in diesem Winter werden die Menschen nicht so einfach zu ihren Familien heimkehren können um mit ihnen das Jahr des Büffels zu begrüßen. Viele werden die lange Reise in die Heimat gar nicht erst antreten, aber trotz der Einschränkungen durch die Pandemie erwartet China laut Angaben des Verkehrsministeriums über 1,15 Milliarden Passagiere. Dies entspricht einem Rückgang um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und von über 60 Prozent verglichen mit dem Wert von 2019. Das chinesische Verkehrsministerium kündigte an, dass die Straßen und Autobahnen während der Feiertage zum Frühlingsfest für Pkw mautfrei befahrbar sein werden um den Verkehr zu entzerren. Das Frühlingsfest fällt dieses Jahr auf den 12. Februar und es wird mit einem geringeren Reiseaufkommen gerechnet, während China seine Maßnahmen verstärkt, um die Corona-Pandemie zu bremsen.

Warum verreisen scheinbar alle Chinesen gleichzeitig heim aufs Land? Warum ist es so wichtig, ausgerechnet an diesen Tagen bei den Verwandten zu sein? Zum besseren Verständnis haben wir einmal das Weihnachtsfest der Deutschen mit dem Frühlingsfest der Chinesen verglichen.

Bei den Ähnlichkeiten werden wir schnell fündig, sowohl beim chinesischen Neujahrsfest als auch bei Weihnachten geht es um das Zusammensein der Familie. Jeder besucht jeden und es wird viel zu viel gegessen. Beide Feste werden im Winter gefeiert und es werden fleißig Geschenke ausgetaucht. Hier haben wir allerdings schon einen großen Unterschied: Während wir uns jedes Jahr aufs Neue den Kopf zerbrechen, womit wir unseren Lieben unter dem Weihnachtsbaum eine besondere Freude machen können, sind Chinesen da viel pragmatischer: Alle bekommen rote Geldgeschenke (Foto mit Geldgeschenken aus Liew Bericht). Es gilt die Regel, dass Kinder und Unverheiratete nichts verschenken, sondern nur  Empfänger sind und man, sobald man verheiratet ist, auf die Seite der Gebenden wechselt. Die Eltern und Großeltern bekommen neben Geld noch einen neuen Fernseher oder andere nützlich Anschaffungen, Kinder haben kleine Täschchen dabei, weil sie während der zweiwöchigen Festlichkeiten von Nachbarn, Bekannten und Arbeitskollegen der Eltern immer wieder einen roten Umschlag zugesteckt bekommen. Je mehr Besuch kommt und geht, desto besser also!

Ang Pow, rote Geldumschläge
Ang Pow, rote Geldumschläge (Foto: Liew)

Bei uns sind die Weihnachtsfeiertage eher still und haben einen religiösen Hintergrund. Das Frühlingsfest hat seinen Ursprung in der alten Bauerngesellschaft und dient der Vertreibung des Winters und der Ehrung der Ahnen. Chinesisches Neujahr richtet sich nach dem Mondkalender aus und fällt, wie unser Osterfest, jedes Jahr auf ein anderes Datum. Heiligabend ist bekanntlich immer am 24. Dezember. 

Es gibt tatsächlich eine Bevölkerungsgruppe, die gar nicht so traurig darüber ist, dieses Jahr nicht in das Heimatdorf zurückkehren zu müssen. Das sind die Söhne und Töchter, die weiterhin unverheiratet sind und keine Braut oder einen Bräutigam der wartenden Verwandtschaft präsentieren können. Immerhin das können sie sich dieses Jahr ersparen!

(Titelbild: Colourbox)