Anne Pohl berichtet aus Südkorea

Unsere Studentin Anne Pohl befindet sich gerade in Korea, wo sie ihr Auslandssemester absolviert. Die Regionalzeitung BLV Wochenzeitung berichtete in zwei Artikel (2. und 29. September 2020) darüber.

Artikel aus der BLV Wochenzeitung vom 2.09.2020 von Antje Spitzner

„Ein Jahr weg“: Studium in Korea
Anne Pohl wird Businessmanagerin

BREMEN-NORD – Anne Pohl ist in Südkorea angekommen. Vor einer Woche hat sie uns noch ein Interview gegeben, heute ist sie bereits ein paar Tage auf der anderen Seite der Erdkugel. Ihr Tag beginnt sieben Stunden früher. Die Kultur ist eine komplett andere. Und sie will koreanisch sprechen. „Ich werde zum ersten Mal ins kalte Wasser geschmissen“, lachte die 26-Jährige.

Doch von vorn: Anne Pohl wurde in Bremen-Nord geboren und wuchs in Aumund auf. Sie besuchte die Grundschule Hammersbeck, wechselte in die Sandwehen und anschließend in die Oberschule Bördestraße. Sie absolvierte eine Ausbildung als tiermedizinische Fachangestellte und arbeitete auch in diesem Beruf, bis: „ich merkte, dass ich gern organisiere, plane und reise“. Verstärkt wurde das durch ihr Hobby: „LARP“. Die Abkürzung steht für „Live Action Role Play“ und sei „eine Art Improvisationstheater im Mittelalterstil“. So jedenfalls ihre bevorzugte Variante; die Geschichten spielten auch in der Römerzeit, in der Zukunft oder einer Fantasiezeit. Charaktere und Hintergründe müssten dafür erdacht werden. „Das ist, wie wenn man ein Buch schreibt“, erklärt sie. Die Geschichte setzt sie dann mit anderen aus der Convention um und erschafft so eine ganz eigene Welt. Das sei kreativ und sehr abwechslungsreich, und man müsse spontan und flexibel auf die gegebenen Umstände reagieren. Eventmanagement als Hobby? „Das ist meine Bestimmung: Ich möchte organisieren.“

Anne Pohl steht mit beiden Beinen fest im Leben. Sie ist nach Südkorea aufgebrochen, um ein einjähriges Auslandsstudium zu absolvieren. Wie es ihr dort geht, will sie uns berichten. Foto: AS/BLV Wochenzeitung

So hat sie sich an der Ludwigshafener Hochschule für Businessmanagement, East Asia, mit Schwerpunkt Korea eingeschrieben. Zur Auswahl hätten auch noch Japan und China gestanden, doch: „Ich finde Koreanisch sehr schön und interessiere mich für die Kultur.“ „Pansoori“ sei beispielsweise die landestypische Art und Weise, musikalisch Geschichten zu erzählen. Außerdem habe sie sich in die koreanische Teezeremonie verliebt und möchte sie gern vor Ort erleben. Ferner imponiere ihr die Widerstandskraft der Koreaner. Auf ihr Studium, das sie in der Dankook University in der Nähe der Hauptstadt Seoul absolviert, habe sie sich seit dem ersten Semester unter anderem mit intensivem Sprachunterricht vorbereitet. „Das Schreibsystem kann man schnell erlernen. Aber die Grammatik ist schwer. Das Verb kommt am Ende des Satzes“, weiß sie. Um Gesprächssituationen zu üben, habe sie sich per App mit Koreanern geschrieben.

In der Vorbereitung hat sie sich auch mit dem abwechslungsreichen Wetter vor Ort befasst. Vieles könne gekauft werden. Eingepackt habe sie vor allem Schuhe und Hosen: „Die mit den langen Beinen werden Probleme haben“, hätten die Dozenten, Muttersprachler, berichtet. Anne Pohl ist 1,72 Meter groß. Mit im Gepäck ist der Laptop mit Büchern, Filmen und Musik sowie Andenken von Freunden, von denen sie sich verabschiedet hatte. Einige wollen sie in Südkorea besuchen.

Anne Pohls Name in koreanischer Schrift.
Foto: BLV Wochenzeitung

Um dieses fünfte und sechste Semester im Ausland verbringen zu können, habe sie bereits während ihres Jobs gespart, nun Bafög beantragt und ihr Auto verkauft. Außerdem werde sie von ihrer Familie unterstützt. „Du bist doch verrückt“, habe diese anfangs gesagt, als sie ihr von ihren Plänen berichtete. Doch dann hätten Eltern und Bruder gemerkt, wie sehr Anne Pohl an der asiatischen Kultur interessiert sei. Auch von ihrem Freund Robin, mit dem sie seit sechs Jahren zusammen ist, habe sie viel Unterstützung erfahren. Mit ihm will sie, im besten Fall, in zehn Jahren in einem eigenen Domizil leben und als Projektmanagerin in einem hiesigen Unternehmen arbeiten, für das sie dann auch ab und an nach Südkora fliegen möchte.

Wie schwierig es gewesen ist, zu Zeiten von Corona die Reise zu organisieren, dass ihr ihr Hobby dabei geholfen habe, dabei ruhig zu bleiben und dass sie erst ganz zum Schluss doch etwas nervös wurde, weil ihr bewusst geworden sei, „dass man ein Jahr weg ist“, ist schon wieder eine neue Geschichte.


Artikel aus der BLV Wochenzeitung vom 29.09.2020 von Anne Pohl

Erkundungen in koreanischer Kleidung

Die Aumunderin Anne Pohl berichtet aus Südkorea: Ankunft im September

Studentin Anne Pohl in traditioneller koreanischer Kleidung. Foto: FR/BLV Wochenzeitung

Region – (FR) „Ein Jahr weg“ ist Anne Pohl. Die Aumunderin studiert zurzeit in Südkorea Businessmanagement. Wir haben die 26-Jährige gebeten, uns während dieses Jahres zu berichten, wie es ihr dort geht:

„Nun ist schon fast ein Monat vorbei. Ein Monat in Korea, in welchem ich bereits viele Eindrücke sammeln konnte. Aber fangen wir von vorne an:  Mein Zehn-Stunden-Flug verlief ohne Probleme. Soweit so gut.

Kurzfristig vor dem Abflug wurde das Social-Distancing-Level in Korea erhöht, sodass ich nicht mehr im geplanten Quarantäne-Center unterkommen konnte, sondern stattdessen in ein Quarantäne-Hotel geschickt wurde. Hotel klingt nun erst einmal nicht schlecht, als ich jedoch ankam, fand ich das Zimmer in einem sehr schmutzigen Zustand vor: Haare und klebrige Rückstände in Bett, Boden, Bad und an Möbeln.

Zudem ging mein Fenster direkt gegen eine Wand des Nachbargebäudes, Tageslicht war also Mangelware, und Mülltüten sowie Handtücher waren nur in geringen Maßen zur Verfügung gestellt. Durch die Kurzfristigkeit des ganzen Wechsels in ein Hotel, dauerte es eine Weile, um die richtigen Kontaktdaten zu erfragen. Ich benötigte letztendlich eine Woche, um ein neues Zimmer zu bekommen, doch dieses war um einiges besser. Immerhin begannen während den staatlich verordneten zwei Wochen ‚Einzelhaft‘ bereits die Vorlesungen der Universität online. Langeweile: Fehlanzeige.

Dann, endlich, war es soweit: Freiheit! Die Fahrt zur Universität ließ mich direkt über die Größe und auch Naturnähe Südkoreas staunen. Zwischen Hochhäusern sind Seen, Wälder, Parks und Berge zu sehen. In einem Moment ist es tiefste Stadt, im nächsten pure Natur. Der Campus selbst ist sehr groß und auf einem Berg, jeder Fußmarsch ist also ein eigenes Workout. Auf dem Gelände gibt es Supermärkte, Fitnesscenter, ein Stadion, eine Bank, Museen und mehr. Das Zimmer im Studentenwohnheim teile ich mir für das nächste Jahr mit einer weiteren internationalen Studentin. Direkt im Zimmer haben wir ein Bad und einen Kühlschrank, alles Weitere gibt es in Gemeinschaftsräumen.

Inzwischen konnte ich die Chance nutzen und meine unmittelbare Umgebung erkunden. Am meisten überraschte mich der öffentliche Transport.  Je nach Strecken haben die Busse hier andere Nummern und Farben. Rote Busse, zum Beispiel, sind Langstreckenbusse und müssen an den Haltestellen rausgewunken werden, denn sonst fahren sie einfach weiter. Und eine Sache, die alle Busse gemeinsam haben, ist die Hektik. Oftmals geht die Tür schon auf, während der Bus noch fährt, und schließt erst, wenn er wieder unterwegs ist. Ist der Bus an der Haltestelle, hat man etwa 30 Sekunden, um einzusteigen und einen Platz zu finden um beim Anfahren nicht umgeworfen zu werden. Eine etwa zweistündige Fahrt nach Seoul kostet nur etwa 2,50 Euro. War ich denn schon dort? Na klar! 

Zugegeben, einmal ausversehen, da ich nicht schnell genug ausgestiegen bin und die nächste Haltestelle eine Stunde später in Seoul war, und einmal, um den Gyeongbokgung Palast zu besuchen. Dort angekommen, besorgte ich mir dann einen Hanbok, traditionelle koreanische Kleidung, und erkundigte diesen beeindruckenden Ort.

Nun traditioneller Hanbok ist vielleicht nicht ganz richtig. Denn der Hanbok den ich auswählte, ist eigentlich für männliche Soldaten gedacht, doch praktischer als Lagen über Lagen an Stoff, wie es der zugegebenermaßen farbenfrohere Hanbok der Damen ist, war er allemal. Vor allem bei den hochsommerlichen Temperaturen. 

Nach erst einem Monat habe ich viele Erfahrungen sammeln dürfen und jeden Tag kommen mehr hinzu. Ebenso wie Dinge die ich noch erleben möchte. Ein Jahr, um dieses Land zu erkunden und kennen zu lernen, erscheint inzwischen doch sehr kurz“, so die Studentin.

Bericht von Anne Pohl


Alle Artikel und Fotos mit freundlicher Genehmigung von Das BLV Wochenzeitung www.das-blv.de

Artikel 02.09.2020 in E-Paper Form: https://www.das-blv.de/cms/elkat/200902/#1

Artikel 29.09.2020: https://www.das-blv.de/cms/front_content.php?idcat=32&idart=4735&fbclid=IwAR2f_7OwicFW22dmrKQ41PgaBFXEPNCBnByILbdSk46M12QF7YKIwyHmKyM